Zugegeben, als uns das Thema vorgeschlagen wurde, haben wir gestutzt. Hörgeräte für den Young IFA? Sind das nicht eher beigen Plaste-Dosen, die Rentner ins Ohr einsetzen, wenn sie ihren Enkeln lauschen wollen?

Größenvergleich: Links das Hörgerät von GN ReSound

Größenvergleich: Links das Hörgerät von GN ReSound

Weit gefehlt, so sehen moderne Hörgeräte längst nicht mehr aus und auch das klischee vom schwerhörigen Senior entspricht nicht der Realität. Das Hörvermögen von 2,6% aller Unter-14-Jährigen und 3,7% aller 15-24jährigen in Deutschland gilt als eingeschränkt. Die Gründe sind ganz unterschiedlich und im Headphone-Zeitalter auch offensichtlich: Generationen von Walkmen, Discmen, mp3-Playern und mobilen Streaming-Diensten haben ihre Spuren im Gehör auch junger Menschen hinterlassen. Eine stressige Arbeitsplatzumgebung und eine hohe Geräuschbelastung auf den Straßen tun ihr Übriges. Schätzungsweise hören in Deutschland 13-15 Millionen Menschen schwer und nur 20% dieser Menschen haben sich dazu entschlossen, dem mit einem Hörgerät entgegenzuwirken.

Am Stand von GN ReSound in Halle 7.2b lernen wir, was der drittgrößte Hersteller von Hörgeräten unternimmt, damit sich diese Quote erhöht. Denn eins steht fest: Wer schwer oder gar nicht mehr hört, verliert nicht nur einen der fünf Sinne. Hören zu können vermittelt ein Gefühl von Sicherheit und ermöglicht den Austausch mit Menschen ohne Hörbeeinträchtigung. Mehr noch, erwiesenermaßen bestehen erhöhte Krankheitsrisiken (etwa Depression oder Demenz) und Bereiche des Gehirns „verlernen“ ihre Aufgabe, wenn das Hören nicht mehr richtig funktioniert.

Deshalb müssen Menschen, die sich für ein Hörgerät entscheiden, egal, wie alt sie sind, dann auch wieder hören lernen, erklärt uns Yaser Georgos. Er ist Hörgeräteakustiker-Meister und schildert uns die Möglichkeiten, welche die heutige smartphonekompatible Produktgeneration mit sich bringt. Die gibt es dann natürlich auch in kind- bzw. jugendgerechter Farbgebung. Dass die Geräte über Bluetooth lautstärkegesteuert werden können, ist da fast selbstverständlich. Mit dieser Kopplung eröffnen sich aber auch ganz andere Perspektiven: Wozu Kopfhörer benutzen, wenn sich Musik-Streaming, Hörbücher oder die Anweisungen von Navigationsgeräten auf diesem Übertragungsweg ohnehin schon vom Smartphone bzw. vom Home-Entertainment-System senden lassen?

Das auf der IFA allgegenwärtige Schlagwort Smart Home geht natürlich auch an GN ReSound nicht vorbei, sodass längst daran gearbeitet wird, zukünftig auch Deinen Kühlschrank oder die Herdplatte in Dein Hörgerät sprechen zu lassen. Das wird insbesondere in der Verbindung mit weiteren körperlichen Beeinträchtigungen sehr interessant, weil sich beispielsweise auch Sicht- bzw. Lesebeeinträchtigungen umgehen lassen. In einem Modellprojekt in Münster werden öffentliche Orte wie Kinos und Theater ausgestattet, um die Audio-Ausgabe auch in Hörgeräten auszuspielen. In der Zukunft könnten Bahnhöfe mit der entsprechenden Technologie ausgestattet werden, um den Reisenden Sicherheit und die Nutzung aller Services zu gewährleisten.

Aber so weit sind wir – leider – noch nicht. In Anbetracht all des Messelärms auf der IFA interessierte uns allerdings ein anderer Aspekt brennend: Wie kommt eigentlich das Hörgerät passgenau ins Ohr? Jedes Ohr ist schließlich einzigartig. Deshalb werden auch die Muscheln des Hörgerätes individuell angefertigt. Das Angebot eines Ohrmuschelabdrucks nahmen wir deshalb dankend an. Auch wenn es auf den Bildern unseres Selbstversuchs anders aussieht, ist das ganz schmerzfrei.

Der Abdruck des Ohrs kann dann natürlich auch für passgenaue Freisprechanlagen, Ohrenschutz oder In-Ear-Kopfhörer benutzt werden. Wir danken in jedem Fall für die Aufklärung in Sachen Hörakustik an diesem Morgen!